Der A-capella-Kammerchor Freiberg und die Sächsische Bläserphilharmonie gaben ein Konzert englischer Chormusik. Foto: Elke Hussel
Butterfly Dreams in Freiberg: Chormusik mit Fanfare und Gloria
Konzert in der Freiberger Nikolaikirche
16. Mai 2026
Mit dem Konzert „Butterfly Dreams“ verwandelten der A-cappella-Kammerchor Freiberg unter der Leitung von Peter Kubisch und die Sächsische Bläserphilharmonie die Freiberger Nikolaikirche in einen Raum für englische Chormusik, festliche Bläserklänge und stille innere Momente. Das Programm führte von barocker Strahlkraft über Renaissance-Klarheit bis zu zeitgenössischer Chormusik – und fand seinen großen Schluss in John Rutters „Gloria“.
Schon der Beginn setzte ein deutliches Zeichen. Henry Purcells „Two Trumpet Tunes“ eröffneten den Abend mit einem hellen barocken Signal. Die Sächsische Bläserphilharmonie spielte diesen Auftakt ohne Dirigat. Das war mehr als eine organisatorische Randnotiz: Der Klang fand seine Ordnung aus sich selbst heraus – festlich, präzise und ohne Prunkgehabe.
Damit war der Bogen des Konzerts gesetzt. „Butterfly Dreams“ wurde in Freiberg nicht nur zu einer Reise durch englische Chormusik, sondern zu einer Bewegung vom äußeren Signal ins innere Licht.
Von Fanfaren zum Licht
James MacMillans „O Radiant Dawn“ ließ dieses Licht langsam entstehen. Der A-cappella-Kammerchor Freiberg begann nicht mit Glanz, sondern mit einem fast schattenhaften Klang. Erst allmählich öffneten sich die Harmonien, als würde sich ein Fenster auftun.
Besonders eindrucksvoll gelang die Stelle „Come shine on those“. Die Phrase stieg immer höher, doch der Chor machte daraus keine theologische Belehrung, sondern eine Einladung. Der Chor zog das Publikum in den Abend hinein. Die Nikolaikirche Freiberg wurde dabei nicht bloß zur Kulisse, sondern gab den Stimmen Weite.
Wenn Klarheit zu schweben beginnt
Thomas Tallis’ „If Ye Love Me“ führte in eine andere Form von Klarheit. Keine musikalische Goldkante, keine Überfülle, sondern ruhige Linien, verständlicher Text und konzentrierte Schlichtheit prägten diese Interpretation. Der Chor legte den Klang wie einen weichen Teppich in den Raum.
Der poetische Mittelpunkt des Abends lag in John Taveners „Butterfly Dreams“. Der Schmetterling wurde hier nicht als hübsches Naturbild behandelt, sondern als Zeichen des Übergangs: Traum, Seele, Erinnerung und Vergänglichkeit. Die kurzen Teile wirkten wie schwebende Miniaturen. Man muss dieser Musik beim Verschwinden zuhören.
Bei Ēriks Ešenvalds’ „Trinity Te Deum“ fanden Chor und Bläser besonders dann zueinander, wenn sie sich gegenseitig Raum ließen. Die spannendsten Momente lagen nicht im großen Klang, sondern in den Übergängen: dort, wo sich eine Klangfarbe veränderte, ein Akkord nicht sofort auflöste oder eine Bläserlinie den Chorklang nicht verdoppelte, sondern kommentierte.
Eine einzelne Stimme wird hörbar
Den emotionalen Brennpunkt setzte Cecilia McDowalls „Standing as I do before God“. Der Text geht auf die letzten Worte der englischen Krankenschwester Edith Cavell zurück, die 1915 von den Deutschen hingerichtet wurde.
Die Solo-Sopranistin Stephanie Kaiser machte daraus kein Märtyrerdrama, sondern einen Moment konzentrierter Sammlung. Ihre Stimme löste sich aus dem Chor: glasklar, schlank geführt, blitzsauber. Sie überstrahlte den Chor nicht, sondern kam aus ihm hervor – wie ein Gedanke, der plötzlich hörbar wird.
Vom Ruhepunkt zum Gloria
Nach so viel innerer Spannung gönnte Charles Villiers Stanfords „Beati quorum via“ dem Publikum einen Ruhepunkt. William Byrds „The Earl of Oxford’s March“ brachte anschließend wieder Bewegung in den Abend: höfisch, leichtfüßig und elegant.
John Rutters „Gloria“ krönte das Konzert schließlich strahlend, direkt und wirkungssicher. Die Anfangssequenz klang sofort vertraut, fast wie ein festlicher Jingle. Weshalb unbedingt eine Orgel mittun musste, bleibt wohl das Geheimnis des Komponisten. Der große Schluss trug trotzdem: hell, energiegeladen und publikumsnah.
Service für das Publikum
Zu den überzeugenden Details des Abends gehörte auch der Dienst am Publikum. Das Programmheft bot Originaltexte und deutsche Übersetzungen. Projektionen über dem Chor nannten Komponisten, Jahreszahlen und Werktitel. Dieser Service half, den Weg durch Renaissance, Barock und Gegenwart nicht nur zu gehen, sondern bewusst zu hören.
So wurde „Butterfly Dreams“ in der Nikolaikirche Freiberg zu einem Konzert über Verwandlung: vom Trompetensignal zum Licht, vom Chor zur einzelnen Stimme, vom Schmetterling zum Gloria. Der lange Applaus zeigte, dass diese Einladung gern angenommen wurde.
Zusammenfassung
Das Konzert „Butterfly Dreams“ in Freiberg verband englische Chormusik mit Bläserklang und zeitgenössischen Werken. Der A-cappella-Kammerchor Freiberg, die Sächsische Bläserphilharmonie und Peter Kubisch gestalteten in der Nikolaikirche einen Abend zwischen Purcell, Tallis, Tavener, McDowall und Rutter. Besonders eindrucksvoll war der Solopart von Stephanie Kaiser in Cecilia McDowalls „Standing as I do before God“.



