Joaquim Font, Anna Burger und Fabian Vogt gestalteten einen sehr heutigen Marlene – Abend.

Erst Bühne, dann Leinwand: Das MiTFilm-Format im Freiberger Theater widmete sich Marlene Dietrich mit einem Liederabend voller Berlin-Klang und anschließender Filmprojektion. Ein Abend zwischen Mythos, Selbstinszenierung und lebendiger Interpretation.

Ich hab noch einen Koffer in Berlin…

23. Februar 2026

Das MiTFilm-Format im Freiberger Theater verbindet Bühne und Leinwand; diesmal stellten André Meyer, Chefdramaturg am Mittelsächsischen Theater, und Thomas Erler vom Kinopolis eine der größten Ikonen des 20. Jahrhunderts ins Zentrum: Marlene Dietrich.

Es war ein aufwändiger Blick zurück: Der Fernsehfilm Marlene von Joseph Vilsmaier ist inzwischen ein Vierteljahrhundert alt. Prominent besetzt mit Katja Flint, Heino Ferch und dem Who’s who der deutschen Schauspielszene um die Jahrtausendwende. Grundlage sind die Erinnerungen von Maria Riva, der Tochter von Marlene Dietrich. Der Film bemüht sich, der Kunstfigur privat näherzukommen und sucht die Frau hinter dem Mythos. Doch bei aller Ausstattung bleibt die Dramaturgie episodisch. Man sieht viele Stationen, viel Zeitkolorit, doch die innere Zuspitzung bleibt zurückhaltend. Als zweiter Teil des Abends fügte sich der Film stimmig ins Gesamtkonzept ein und fand mit der Schlussszene in der Carnegie Hall 1976 einen atmosphärischen Ausklang.

Zwischen Selbstinszenierung und Stimme

Deutlich frischer geriet das Vorprogramm.

Unter dem programmatischen Berlin-Motto spannte sich ein musikalischer Bogen, der mit „Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin“ begann und endete. Eine kluge Klammer. Dazwischen: „Die fesche Lola“, „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, „The Boys in the Backroom“, „Lili Marleen“. Also ein Gang durch zentrale Stationen der Dietrich.

Anna Burger kann ja wirklich singen. Und sie wollte nicht Marlene sein. Keine Kopie, kein museales Nachstellen der berühmten Gesten. Stattdessen eine eigene Lesart. Mal mit klarem Zugriff, mal mit fein nuancierter Phrasierung. Gerade dadurch gewannen die Chansons an Gegenwart.

Fabian Vogt las zwischen den Liedern aus den Autobiografien „Ich bin, Gott sei Dank, eine Berlinerin“ und „Nehmt nur mein Leben“. Diese Texte mäandern zwischen intimem Bekenntnis und sorgfältigem Selbstentwurf. Der preußische Fleiß wird betont, die glückliche Kindheit beschworen. Und immer wieder die Behauptung, sie habe nie ein Star sein wollen. Das klingt nach Bescheidenheit, ist aber kluge Mythospflege. Vogt legte diese Ambivalenz nicht mit erhobenem Zeigefinger frei, sondern ließ sie im Ton mitschwingen. So entstand ein spannender Kontrast: Hier die kalkulierte Autobiografie, dort die unmittelbare Kraft des gesungenen Augenblicks.

Ein Mythos, der Räume füllt

Am Klavier begleitete Joaquim Font souverän. Mal betont rhythmisch, mal ausgelassen freudig. Sein Spiel setzte Akzente und schuf Atmosphäre.

Im Vergleich dazu wirkte der Film wie ein Nachhall. Nach der Unmittelbarkeit von Stimme, Text und Klavier blieb die Leinwand blass. Vielleicht liegt darin die Erkenntnis des Abends: Marlene funktioniert stärker im Moment der Interpretation als in der Rekonstruktion. 

Und doch bleibt die Strahlkraft der Dietrich ungebrochen. Dreißig Jahre nach ihrem Tod füllt sie noch immer Häuser, das Freiberger Theater war gut besucht. Der Name zieht, die Lieder tragen, der Mythos wirkt. Marlene schafft es weiterhin, ein Publikum zu versammeln – und jede Generation neu herauszufordern.

Beim nächsten MiTFilm am 12. April wird Dominik Grafs „Die geliebten Schwestern“ gezeigt.

Alle Fotos: Elke Hussel

MitFilm Marlene Dietrich Freiberg

Geschlossener Vorhang, gespannte Erwartung: Noch ist die Bühne leer – gleich beginnt der MiTFilm-Abend mit Marlene.

André Meyer, Chefdramatur am Mittelsächsischen Theater

André Meyer, Chefdramaturg am Mittelsächsischen Theater, begrüßte das Publikum zum MiTFilm-Abend.

Joaquim Font - Klavier, Anna Burger - Gesang, Fabian Vogt - Text

Joaquim Font am Klavier, Anna Burger im Gesang und Fabian Vogt mit Texten – gemeinsam gestalteten sie den Marlene-Abend im MiTFilm-Format.

Joaquim Font am Klavier zauberte Atmosphäre.

Joaquim Font am Klavier – mit feinem Gespür für Rhythmus und Klang zauberte er die passende Atmosphäre.

Anna Burger holte Marlene Dietrich ins Heute.

Anna Burger holte Marlene Dietrich ins Heute – mit eigener Stimme und zeitgemäßer Interpretation.

Thomas Erler vom Kinopolis

Thomas Erler führte kenntnisreich in den Film „Marlene“ von Joseph Vilsmaier ein.

Fabian Vogt liest aus der Autobiografie von Marlene Dietrich

Fabian Vogt liest aus der Autobiografie von Marlene Dietrich – zwischen Bekenntnis und Selbstinszenierung.

Notizen während des Abends Elke Hussel

Notizen zwischen Bühne und Leinwand – Schreibarbeit im Halbdunkel.

Verdienter Applaus für die Marlene-Darbietung

Verdienter Applaus für die Marlene-Darbietung – das Publikum dankte mit langem Beifall.