Die Blechbläser der Mittelsächsischen Philharmonie nach dem 3. Kammerkonzert in der Freiberger Annenkapelle – konzentriert im Spiel, gelöst im Applaus.

Kammerkonzert der Mittelsächsischen Philharmonie: Blechbläser suchen neue Klangwelten in der Annenkapelle Freiberg

27. Februar 2026

Blech kann Fanfare sein. Oder Flüstern. Marsch oder Melancholie. Das 3. Kammerkonzert der Mittelsächsischen Philharmonie fragte nach der Identität eines Instrumentariums, das oft auf reine Strahlkraft verkürzt wird, und entfaltete eine erstaunlich differenzierte Klangwelt.

Mit Trompeten, Posaunen, Horn und Dämpfern verschiedenster Größen und Materialien zeigten Saho Nakamura, Ingolf Barth, Jan Düppenbecker, Richard Weiß, Alexis Adrian Gonzales und Salvador Belda Virtuosität und rhythmische Prägnanz. Zwischen kammermusikalischer Genauigkeit und impressionistisch schimmernden Klangfarben bewies das Ensemble große Beweglichkeit.

Besonders die wechselnden Duos und Trios entwickelten eine eindringliche Intensität. In ihrer unmittelbaren Reaktionsfähigkeit, im hörbaren Aufeinander-Hören und gemeinsamen Atmen erinnerte das Musizieren stellenweise an Jazz. Doch die Freiheit blieb gebunden: kein improvisatorisches Ausschweifen, sondern konzentriertes Gestalten entlang der Partitur.

Klangreise durch Stile und Nationen

Die ausschließlich im 20. Jahrhundert entstandenen Werke spannten einen fein abgestuften dramaturgischen Bogen: von dialogischer Strahlkraft über schimmernde Klangfarben hin zu kantiger Moderne und Volkstänzen. José Luis Gutiérrez, GMD am Mittelsächsischen Theater, begleitete ausgewählte Stücke am Klavier.

Zugleich wurde hörbar, wie selbstverständlich Musik Grenzen überschreitet. Deutsche Prägnanz, tschechische Farbigkeit, japanische Klangpoesie, französische Eleganz und amerikanische Klarheit traten miteinander in Austausch. Trotz der angekündigten Suche nach neuen, außergewöhnlichen Klangwelten blieb das Konzert jederzeit zugänglich. Keine sperrige Experimentierfläche, sondern ein konzentrierter, klangschöner Genuss.

In der intimen Freiberger Annenkapelle rückten jene Musiker ins Zentrum, die im Sinfoniekonzert meist im Hintergrund wirken. Sie eroberten sich den eigens ausgerollten roten Teppich klanglich wie räumlich. Die Nähe des Raumes schärfte ihr Profil und das Publikum dankte mit konzentrierter Aufmerksamkeit.

Noch einmal ist dieses Programm am 15. März auf Schloss Bieberstein zu erleben.

Alle Fotos: Elke Hussel

Ingolf Barth verantwortete die Dramaturgie

Ingolf Barth hielt die Dramaturgie des Abends in seinen Händen.

Saho Nakamura und José Gutiérrez

José Gutiérrez und Saho Nakamura spielten Rachmaninov.

Dämpfer in verschiedenen Größen und Materialien.

Die heimlichen Stars des Abends: Dämpfer in verschiedenen Größen und Materialien.

Gonzales, Belda und Barth spielen Frackenpohl.

Gonzales, Belda und Barth spielen ein Trio von Arthur Frackenpohl.